Internet Raytracing Competition März - April 2003

Mit der Vorgabe Architektur hatten die Teilnehmer der letzten IRTC-Runde (März bis April 2003) ein wirklich dankbares Thema. Leicht umzusetzen und mit garantiert schnellem Erfolgserlebnis. Dementsprechend beeindruckend waren dann auch die Siegerbilder dieser Runde, die soviele hervorragende Einsendungen hatte wie selten zuvor. Die Besten schauen wir uns etwas genauer an.

Einzelne Objekte können, einmal programmiert, immer wieder verwendet werden.

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Es war schon immer leichter geometrische Figuren zu entwerfen als sich an Menschen, Pflanzen oder Tieren zu versuchen. Die Rundungen eines menschlichen Körpers muß man in der Regel aus Triangles mit passenden Flächennormalen an den Ecken zusammensetzen. Ohne Hilfsprogramme ist man hier schnell aufgeschmissen.

Ein Haus dagegen läßt sich aus einfachen Grundformen wie Würfel, Kegel oder Zylinder zusammensetzen. Aus diesen Grundformen kann man dann, durch geschicktes Kombinieren, auch komplexere Formen wie Fensterrahmen, Giebel, Säulen oder sogar Maßwerk konstruieren. Damit kann das Ganze natürlich wieder beliebig kompliziert werden. Aber wenn man erst mal ein kunstvolle Säule entworfen hat, dann kann man diese immer wieder verwenden, um z.B. eine Säulenhalle zu kreieren.

Nach diesem Rezept wurden einige der Einsendungen gefertigt, und daher konnten nur die gewinnen, die noch mehr zu bieten hatten als die bloße Beherrschung der Technik. Zur Abstimmung berechtigt waren auch diesmal nur die Teilnehmer dieser Runde.

Die Gewinner

Der Sieger: "Incubus" von Andre Kirschner

(© Andre Kirschner)

Der erste Preis ging an Andre Kirschner aus Deutschland für sein Bild incubus|final. Seine meisterhafte Darstellung eines sonnendurchfluteten Wohnraums wurde von der Merheit als der beste Beitrag angesehen. Und das obwohl es trotz der breiten Begeisterung für technische Umsetzung, Detailreichtum und Beleuchtung auch Kritik wegen fehlender Handlung in dem Bild gab.

Die Silbermedaille für James Moores "Overlooked"

(© James Moore)

Eine Handlung gab es dagegen in James Moores (USA) Bild Overlooked. Die, mit Povray erstellte, Darstellung eines Obdachlosen, dessen einziges erreichtes Ziel die Errichtung eines Kartenhauses in einem Hinterhof ist, war der Jury einen zweiten Platz wert. Obwohl nicht von der gleichen technischen Perfektion wie incubus|final, hat dieses Bild jedoch eine Geschichte zu erzählen und regt zum Nachdenken an. Und das ist nun mal ein festes Kriterium bei der Bewertung von IRTC-Einsendungen.

Die Bronzemedaille für "Old Meets New"

(© Hildur Kolbrun Andresdottir)

Auf dem dritten Platz landete schließlich Hildur Kolbrun Andresdottir aus Island. Sein Bild Old Meets New stellt den Gegensatz zwischen alter und neuer Architektur und zwischen Tradition und Moderne dar. Als Vorlage diente Ihm eine alte Fotografie der Al Wya Moschee mit dem angrenzenden Bogen des unbekannten Soldaten in Baghdad. In nur zwei Wochen mit Povray realisiert, stellt dieses Bild eine beeindruckende Leistung dar. Auch dieser Beitrag zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nur Architektur darstellt, sondern in die Darstellung auch noch eine Botschaft mit hineinpackt.

Zu den drei Gewinnern dieser Runde gesellen sich noch die Preisträger der drei Sonderbewertungen.

Honorable Mention - Die ehrenhafte Erwähnung

Während bei den Erstplazierten alles, von der Technik bis zum künstlerischen Ausdruck, stimmen muss, gibt es doch das eine oder andere Bild welches hauptsächlich in einem Aspekt herausragend ist. Für diese Kandidaten gibt es in jeder IRTC-Runde die Ehrenhafte Erwähnung in den Kategorien Künstlerische Leistung, Technische Leistung und Konzept, Originalität, Interpretation des Themas.

Whoville nach Dr. Seuss

Marlo Steed)

Die Auszeichnung Ehrenhafte Erwähnung - Künstlerische Leistung erhielt Marlo Steed aus Kanada für sein Bild von Whoville. Whoville ist eine Märchenstadt von Theodor Seuss Geisel (Dr. Seuss), einem bekannten Autor von Kinderbüchern. Dr. Seuss schrieb unter anderem die Geschichte "Als der Grinch Weihnachten stahl", die 2000 mit Jim Carrey in der Hauptrolle verfilmt wurde. Bei den Bewertungen wurde besonders der durchgehende knubbelige Stil (bis zu den Wolken), das Cartoonhafte und die gelungene Umsetzung des Stils der Zeichnungen von Theodor Seuss Geisel gelobt.

Detailansicht des Milaner Dom

M. Tomasi)

Maurizio Tomasi aus Italien erhielt für sein Bild Non nobis sed Tibi Domine, eine Detailansicht des Doms von Milano, die Auszeichnung ehrenhafte Erwähnung - Technische Leistung. Seine außergewöhnlich detailreiche Arbeit berücksichtigt sogar die feinsten Details das Maßwerks. Dementsprechend wurde auch die Modelierarbeit und der Fleiß Tomasis bei der Realisierung seines Projektes von der Jury besonders gelobt. Für eine Platzierung fehlte es den Juroren aber doch zu sehr an Leben in dem Bild. "Wenigstens ein Vogel, der auf einer bekackten Statue sitzt, hätte es doch sein können" monierte einer der Kommentatoren.

Schnecke mit Haus

Vince Silune)

Das man das Thema einer IRTC-Runde nicht unbedingt wörtlich nehmen muß, sondern interpretiern, ironisch sehen oder auch im Sinn verdrehen kann ist klar, und ist auch schon oft getan worden. Für diese Fälle wurde die Ehrenhafte Erwähnung - Konzept, Originalität, Interpretation des Themas eingeführt, die in dieser Runde an Vince Silune aus Frankreich für sein witziges You show off ging. Er nahm das Thema Architektur von der humorvollen Seite und verpasste einer Schnecke ein wirklich individuelles Schneckenhaus.

Und was gab es sonst noch?

Es gab natürlich nicht nur die sechs prämierten Teilnehmer. Insgesamt haben über 100 Teilnehmer ihre Bilder eingesandt, und unter ihnen gab es auch die ein oder andere echte Perle, die wohl nur knapp eine Prämierung verpasst hat.

Wie Eingangs erwähnt, bietet sich das Thema Architektur dazu an, einmal erstellte Gebäudeteile immer wieder zu verwenden, um daraus ein größeres Bauwerk zusammenzubauen. Wie man mit der Methode sehr reizvolle Bilder erstellen kann, haben George Partskhaladze aus Georgien mit Archi Dream und Marc Schimmler aus Deutschland mit The Bridge gezeigt.

Damit ein computergeneriertes Bild real und stimmungsvoll erscheint, muß man viel Wert auf die Beleuchtung legen. Besonders gut gelungen ist dies Christoph Hormann aus Deutschland mit The Pool. Aber auch Sotiris Georghiou aus England hat seine Greek Orthodox Church in Santorini in wunderbares Licht getaucht.

Eine gelungene Kombination aus mehrfach verwendeten Elementen und geschickter Beleuchtung ist Nave von Jorge Cereceda. Leider störten sich die meissten Juroren am völligen Fehlen einer Projektbeschreibung, was diesem Beitrag letztlich wohl eine Platzierung gekostet hat. Möglicherweise haben dem aus Spanien stammenden Jorge Cereceda einfach nur die Englischkenntnisse gefehlt, um seine Arbeit angemessen zu dokumentieren.

Das Thema von der humorvollen Seite genommen haben dagegen Richard Massey (England) mit Sandscrapers und Peter D. Dunlap (USA) mit SnoBuild, Inc.

Alle Einsendungen auf einen Blick findet man auf der März-April-Seite der Internet Raytracing Competition.
Das Thema der Mai-Juni-Runde 2003 ist Mystery (Geheimnis), und dürfte nicht so leicht umzusetzen sein. Die Ergebnisse findet man ab dem 1. Juli 2003 auf www.irtc.org.

Sven Rudolph